anonyme Opfer
März 27, 2008 von maditasun
Ich weiß noch wie ich im Herbst begann das schweigen zu brechen, anfangs sehr behutsam , danach immer mehr , ich setzte die Spirale in Gang , war so voller Angst und auch heute bringt mich dieses Herzrasen manchmal um den Verstand , das Herzklopfen so wie als würde etwas unaufhaltsam auf einen zukommen und man kann sich nicht wehren. Man will flüchten aber steht starr vor Angst, sieht das Auto auf sich zurasen und kann nicht ausweichen , man weiß es wird einen überfahren , überrollen , einholen , egal wie schnell man laufen würde. Die Angst sitzt im Nacken , packt einen und lässt einen nicht mehr los. Man hat Angst vor der Zukunft , ebenso wie vor der Vergangenheit , man will sich nur noch ganz klein machen, nicht erkannt werden , sich selber nicht erkennen.
Inzwischen schreie ich , manchmal nur innerlich , doch auch immer öfters laut , ich schmeiss es den Menschen vor die Füsse , entschwinde so allmählich der Anonymität. Der Prozess im Kopf ist mehr als schwer und so manche Stunde würde ich gerne zurück in mein Schneckenhaus, in meine eigene Welt und dennoch habe ich den Kampf gegen mich selber , gegen meine Angst aufgenommen und halte ihr Stand mit der gleichen Konzentration wie ich vorher alles andere gemanagt habe, ich bin es mir selber schuldig.
Anonyme Opfer
Nur ganz langsam fühlt sie sich wohl,
wenn er sie in die Arme nimmt,
denn ihr ständiger Begleiter ist diese Angst.
die sie hemmt.
Sie braucht ihn doch so sehr,
sie stößt ihn trotzdem weg.
wenn er einen Stein aus der Mauer bricht
zu ihrem Kerkerversteck.
Sie hat Angst nur Berührung,
Angst, sich anzuvertrauen.
Angst vor Enttäuschung,
vor Gewalt gegen Frauen.
Sie duldet die Umarmung,
und bleibt dabei allein,
das Streicheln ist wie Feuer
brennt neue Narben ein.
Angst, davon zu reden, wie das damals
für sie war, denn Offenheit macht verletzbar,
ist Gefahr
Sie ist ein anonymes Opfer,
sie schweigt alles in sich rein.
Als anonymes Opfer hat sie große Angst.
ihren Schmerz ganz laut wegzuschreien.
Gefängnismauern wachsen mit jedem bösen Traum
und ersticken ihre Zärtlichkeit
im liebesleeren Raum.
Erinnerung zerfrißt die Seele und haßt den Leib,
und dann das Märchen von der Mitschuld,
ewig lockt das Weib.
Angst vor Zeigefingern,
vor HinterrücksGeschwätz,
vor der öffentlichen Meute,
die sensationsgeil das Opfer hetzt.
Anonyme Opfer schweigen alles in sich rein.
Anonyme Opfer haben große Angst,
ihren Schmerz ganz laut wegzuschreien.
Männer sind die Täter, rücksichtslos gemein.
Manchmal ist es schwer, sich nicht zu schämen,
ein Mann zu sein.


